
Haben Sie schon einmal etwas erklärt und im nächsten Moment an den fragenden Blicken Ihres Gegenübers gemerkt: Das ist nicht angekommen? Oder haben Sie sich selbst beim Sprechen dabei erwischt, dass Ihre eigenen Gedanken noch gar nicht so sortiert waren, wie Sie dachten?
Verständlich zu sprechen ist eine Kunst, und zwar eine, die sich lernen lässt. Anfang der 1970er Jahre wurde von den drei Psychologen Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun das Hamburger Verständlichkeitskonzept entwickelt. Es wurde für verständliche Texte entwickelt und später (insbesondere von Friedemann Schulz von Thun) auch auf Vorträge, Gespräche und andere Formen mündlicher Kommunikation übertragen.
Die Psychologen haben sich gefragt: Wann ist ein Text eigentlich gut formuliert? Übertragen auf mündliche Kommunikation lautet die Frage: Wann ist eine Aussage eigentlich gut formuliert? Die Antwort der Psychologen: Es braucht vier Eigenschaften, die als die vier Verständlichkeitsmacher bezeichnet werden.
In diesem Beitrag stelle ich Ihnen die vier Verständlichkeitsmacher vor und zeige, was das konkret bedeutet, wenn Sie das nächste Mal etwas erklären, präsentieren oder einfach ein Gespräch führen.
Das erste Kriterium klingt simpel und genau darum geht es. Einfache Sprache bedeutet: kurze Sätze, geläufige Wörter, keine unnötige Komplexität. Wer Fachbegriffe verwendet, sollte sie erklären. Wer zu lange Schachtelsätze baut, verliert sein Gegenüber unterwegs.
Ein Beispiel aus dem Alltag:
Statt zu sagen »Die Implementierung des Vorhabens erfordert eine interdisziplinäre Koordination der beteiligten Akteure«, könnten Sie sagen: »Dafür müssen verschiedene Teams zusammenarbeiten.« Der Inhalt ist derselbe, aber die zweite Variante wird verstanden.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Gegenüber nicht ernst nehmen sollen mit stark vereinfachter Sprache. Einfachheit meint, dass das Gesagte dem Vorwissen Ihres Gegenübers entsprechen soll. Fragen Sie sich also, für wen Sie sprechen und was diese Person bereits weiß. Auch die Wahl einzelner Wörter spielt dabei eine Rolle, dazu habe ich in meinem Beitrag über Hasswörter mehr geschrieben.
Beim zweiten Verständlichkeitsmacher geht es darum, einen roten Faden zu haben. Informationen, die klar strukturiert und folgerichtig aufgebaut sind, lassen sich leichter verarbeiten. Unser Gehirn liebt Ordnung. Es sucht beim Zuhören automatisch nach Zusammenhängen und Mustern.
Mündlich bedeutet das: Sagen Sie, was Sie sagen wollen, bevor Sie es sagen. Kündigen Sie an, welche Punkte kommen werden. Fassen Sie am Ende zusammen. Solche Orientierungshilfen geben Ihrem Gegenüber Sicherheit.
Eine bewährte Struktur für mündliche Erklärungen ist zum Beispiel:
Wie eine solche Struktur konkret für einen Vortrag aussehen kann, habe ich im Beitrag zum Redeaufbau beschrieben. Wer eine Präsentation vorbereitet, findet zudem in meinem Beitrag zur Situationsanalyse nach Geißner Hilfestellung, Inhalte von vornherein klar zu strukturieren.
Das dritte Kriterium ist vielleicht das, das am meisten Überwindung kostet: das Weglassen. Was wirklich zählt, sind die wesentlichen Informationen, alles andere lenkt ab.
Wer redet, hat oft das Gefühl, möglichst viel erklären zu müssen, damit das Gegenüber wirklich versteht. Dabei ist es häufig umgekehrt: Je mehr Details Sie hinzufügen, desto schwerer fällt es Ihrem Gegnüber, das Wichtige herauszufiltern.
Kürze und Prägnanz bedeuten nicht, hastig zu sprechen oder etwas zu überstürzen. Fragen Sie sich vor dem Sprechen: Was ist das Wesentliche, das ich vermitteln möchte? Alles andere ist optional.
Der vierte Verständlichkeitsmacher ist der, der Texte – und Gespräche – lebendig macht: Beispiele, Vergleiche, Bilder, kleine Anekdoten. Solche anregenden Zusätze helfen dabei, abstrakte Inhalte greifbar zu machen.
Ein trockenes Konzept wird durch ein passendes Beispiel plötzlich vorstellbar. Eine Metapher kann einen komplexen Sachverhalt in wenigen Worten erhellen. Und eine kurze Geschichte im richtigen Moment sorgt dafür, dass Ihr Gegenüber nicht nur zuhört, sondern auch behält, was Sie gesagt haben.
Mündlich haben Sie dabei noch einen zusätzlichen Vorteil: Sie sehen, wie Ihr Gegenüber reagiert. Nickt die Person? Runzelt sie die Stirn? Verliert sie den Blickkontakt? All das sind Signale, die Ihnen zeigen können, ob Ihre Worte ankommen und ob Sie deutlicher bzw. eindeutiger werden sollten.

Kein Verständlichkeitsmacher funktioniert isoliert. Einfache Sprache ohne Struktur ergibt ein Durcheinander. Eine gute Struktur ohne Beispiele bleibt abstrakt. Kürze ohne den roten Faden wirkt abgehackt. Und anregende Zusätze ohne Einfachheit können mehr verwirren als erhellen.
Verständlichkeit entsteht im Zusammenspiel aller vier Eigenschaften. Schon kleine Veränderungen in einer dieser Dimensionen können einen großen Unterschied machen.
Verständlichkeit ist dabei die eine Seite. Wie gut wir einander zuhören, die andere. Mehr dazu in meinem Beitrag über gutes Zuhören.
Probieren Sie es aus: Wenn Sie das nächste Mal etwas erklären oder jemandem etwas Wichtiges mitteilen möchten, nehmen Sie sich einen Moment davor und fragen Sie sich: Was möchte ich mitteilen? Wer ist mein Gegenüber? Was ist das Wesentliche, auf das ich hinaus will? Habe ich ein Beispiel, das das Gesagte lebendig macht?
Sie müssen nicht alle vier Punkte auf einmal perfekt umsetzen. Aber allein das Bewusstsein dafür verändert, wie Sie sprechen und wie Sie verstanden werden.
Darf ich Ihnen schreiben, wenn ein neuer Blog-Artikel erscheint?
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Weitere Informationen 'Haben Sie schon einmal etwas erklärt und im nächsten Moment an den fragenden Blicken Ihres Gegenübers gemerkt: Das ist nicht angekommen? Oder haben Sie sich selbst beim Sprechen dabei erwischt, dass Ihre eigenen Gedanken noch gar nicht so sortiert waren, wie Sie dachten?
Verständlich zu sprechen ist eine Kunst, und zwar eine, die sich lernen lässt. Anfang der 1970er Jahre wurde von den drei Psychologen Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun das Hamburger Verständlichkeitskonzept entwickelt. Es wurde für verständliche Texte entwickelt und später (insbesondere von Friedemann Schulz von Thun) auch auf Vorträge, Gespräche und andere Formen mündlicher Kommunikation übertragen.
Die Psychologen haben sich gefragt: Wann ist ein Text eigentlich gut formuliert? Übertragen auf mündliche Kommunikation lautet die Frage: Wann ist eine Aussage eigentlich gut formuliert? Die Antwort der Psychologen: Es braucht vier Eigenschaften, die als die vier Verständlichkeitsmacher bezeichnet werden.
In diesem Beitrag stelle ich Ihnen die vier Verständlichkeitsmacher vor und zeige, was das konkret bedeutet, wenn Sie das nächste Mal etwas erklären, präsentieren oder einfach ein Gespräch führen.
Das erste Kriterium klingt simpel und genau darum geht es. Einfache Sprache bedeutet: kurze Sätze, geläufige Wörter, keine unnötige Komplexität. Wer Fachbegriffe verwendet, sollte sie erklären. Wer zu lange Schachtelsätze baut, verliert sein Gegenüber unterwegs.
Ein Beispiel aus dem Alltag:
Statt zu sagen »Die Implementierung des Vorhabens erfordert eine interdisziplinäre Koordination der beteiligten Akteure«, könnten Sie sagen: »Dafür müssen verschiedene Teams zusammenarbeiten.« Der Inhalt ist derselbe, aber die zweite Variante wird verstanden.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Gegenüber nicht ernst nehmen sollen mit stark vereinfachter Sprache. Einfachheit meint, dass das Gesagte dem Vorwissen Ihres Gegenübers entsprechen soll. Fragen Sie sich also, für wen Sie sprechen und was diese Person bereits weiß. Auch die Wahl einzelner Wörter spielt dabei eine Rolle, dazu habe ich in meinem Beitrag über Hasswörter mehr geschrieben.
Beim zweiten Verständlichkeitsmacher geht es darum, einen roten Faden zu haben. Informationen, die klar strukturiert und folgerichtig aufgebaut sind, lassen sich leichter verarbeiten. Unser Gehirn liebt Ordnung. Es sucht beim Zuhören automatisch nach Zusammenhängen und Mustern.
Mündlich bedeutet das: Sagen Sie, was Sie sagen wollen, bevor Sie es sagen. Kündigen Sie an, welche Punkte kommen werden. Fassen Sie am Ende zusammen. Solche Orientierungshilfen geben Ihrem Gegenüber Sicherheit.
Eine bewährte Struktur für mündliche Erklärungen ist zum Beispiel:
Wie eine solche Struktur konkret für einen Vortrag aussehen kann, habe ich im Beitrag zum Redeaufbau beschrieben. Wer eine Präsentation vorbereitet, findet zudem in meinem Beitrag zur Situationsanalyse nach Geißner Hilfestellung, Inhalte von vornherein klar zu strukturieren.
Das dritte Kriterium ist vielleicht das, das am meisten Überwindung kostet: das Weglassen. Was wirklich zählt, sind die wesentlichen Informationen, alles andere lenkt ab.
Wer redet, hat oft das Gefühl, möglichst viel erklären zu müssen, damit das Gegenüber wirklich versteht. Dabei ist es häufig umgekehrt: Je mehr Details Sie hinzufügen, desto schwerer fällt es Ihrem Gegnüber, das Wichtige herauszufiltern.
Kürze und Prägnanz bedeuten nicht, hastig zu sprechen oder etwas zu überstürzen. Fragen Sie sich vor dem Sprechen: Was ist das Wesentliche, das ich vermitteln möchte? Alles andere ist optional.
Der vierte Verständlichkeitsmacher ist der, der Texte – und Gespräche – lebendig macht: Beispiele, Vergleiche, Bilder, kleine Anekdoten. Solche anregenden Zusätze helfen dabei, abstrakte Inhalte greifbar zu machen.
Ein trockenes Konzept wird durch ein passendes Beispiel plötzlich vorstellbar. Eine Metapher kann einen komplexen Sachverhalt in wenigen Worten erhellen. Und eine kurze Geschichte im richtigen Moment sorgt dafür, dass Ihr Gegenüber nicht nur zuhört, sondern auch behält, was Sie gesagt haben.
Mündlich haben Sie dabei noch einen zusätzlichen Vorteil: Sie sehen, wie Ihr Gegenüber reagiert. Nickt die Person? Runzelt sie die Stirn? Verliert sie den Blickkontakt? All das sind Signale, die Ihnen zeigen können, ob Ihre Worte ankommen und ob Sie deutlicher bzw. eindeutiger werden sollten.

Kein Verständlichkeitsmacher funktioniert isoliert. Einfache Sprache ohne Struktur ergibt ein Durcheinander. Eine gute Struktur ohne Beispiele bleibt abstrakt. Kürze ohne den roten Faden wirkt abgehackt. Und anregende Zusätze ohne Einfachheit können mehr verwirren als erhellen.
Verständlichkeit entsteht im Zusammenspiel aller vier Eigenschaften. Schon kleine Veränderungen in einer dieser Dimensionen können einen großen Unterschied machen.
Verständlichkeit ist dabei die eine Seite. Wie gut wir einander zuhören, die andere. Mehr dazu in meinem Beitrag über gutes Zuhören.
Probieren Sie es aus: Wenn Sie das nächste Mal etwas erklären oder jemandem etwas Wichtiges mitteilen möchten, nehmen Sie sich einen Moment davor und fragen Sie sich: Was möchte ich mitteilen? Wer ist mein Gegenüber? Was ist das Wesentliche, auf das ich hinaus will? Habe ich ein Beispiel, das das Gesagte lebendig macht?
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